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... emma_1979,2008.11.05, 15:20

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liebe Emma, freut mich das du hier bist,... justemma,2008.11.04, 11:49

Das Chaos Leben....

Vor kurzem habe ich mich dazu entschloss... emma_1979,2008.11.04, 11:012 Kommentare

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Dienstag, 04.11.2008, 11:01
Vor kurzem habe ich mich dazu entschlossen meine Geschichte niederzuschreiben. Dabei ist mir aufgefallen, wie lustig und chaotisch so ein normales Erdenbürgerdasein manchmal ist und wie gut die therapeutische Wirkung ist. Nicht alles ist mir so selbst passiert, aber alles kommt zumindest aus meinem Umfeld.
Würde mich freuen, wenn ihr Gefallen daran findet oder ihr euch selbst in einigen Dingen wiederfindet.
Viel Spass beim Lesen....

Das Chaos Leben….

Ich stand kurz vor meinem 30. Geburtstag – lt. diversen Frauenzeitschriften der beste, erotischste und prickelndste Lebensabschnitt überhaupt – doch es schien so als hätte mich mein Leben diesbezüglich etwas im Stich gelassen. Nach der Trennung von meinem Verlobten war ich gerade wieder nachhause zu meinem Vater und seiner neuen Freundin gezogen. Das war genau dass was man sich in der „Blüte seines Lebens“ (Anmerkung: wieder ein Zitat aus einer dieser Frauenzeitschriften) NICHT wünschte. Denn er schwebte nach der Scheidung von meiner Mutter mit seiner Neuen auf Wolke sieben, acht oder sogar zehn, glaubte sich mindestens 20 Jahre jünger und ich als derzeit völliges Gegenstück musste mir das nun jeden Tag mit ansehen. Gut, ich durfte mich nicht beschweren. Denn hätte er mich nicht freundlicherweise wieder aufgenommen, säße ich jetzt wahrscheinlich auf der Strasse. Dafür musste ich dann eben auch etwas toleranter sein und einen liebestollen Vater ertragen. Wie ich überhaupt in diese missliche Lage kam? Stellen sie diese Fragen doch lieber meinem fremdgehenden, nicht monogam leben könnenden Ex-Verlobten. Er wollte mir anscheinend nicht – wie jeder andere normal denkende Mensch - in einem Gespräch mitteilen dass er für uns keine Zukunft mehr sah, sondern zog es vor, sich inflagranti in unserem Bett erwischen zu lassen. Wir waren doch ein Traumpaar. Während sich alle anderen immer wieder voneinander trennten, waren wir eine „Konstante der Liebe“ und hatten Pläne für die Zukunft. Na ja, wie sich herausstellte, waren es dann doch eher meine Pläne für die Zukunft. Er fühlte sich eingeengt, habe ich später von einem seiner Freunde erfahren. Mit denen konnte er dann anscheinend doch die intimsten Details unserer Beziehung besprechen. Er fühlte sich eingeengt. Wenn ich das schon höre verkrampft sich meine komplette untere Magengegend und das zum Frühstück gegessene Schokocroissant bahnt sich seinen Weg nach oben. Denn ich behaupte jetzt mal dass ich wirklich eine der tolerantesten Freundinnen war, die man sich als Mann nur wünschen konnte: Pokerabende, Fußball in jeglicher Art und Weise, Männerrunden, alles durfte er ohne Szenen meinerseits machen. Und das war der Dank dafür! Nachdem ich die beiden beim Liebesspiel erwischt hatte und die blonde, um gefühlte 10 Kilo leichtere als ich Schlampe hysterisch unserer Wohnung verwiesen hatte, habe ich natürlich sofort, um den theatralischen Effekt zu wahren, die mir am wichtigsten erscheinenden Dinge wie meinen gesamten Kleiderkasten, den Schuhschrank und meine beiden Katzen zusammengepackt und die Flucht ergriffen. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch fest der Meinung dass es nur eine Frage der Zeit war bis er reumütig zu mir zurückkommen würde. Und ja, ich hätte ihm nach einigem Zieren meinerseits und Flehen seinerseits sicher auch vergeben. Diese Hoffnung verflüchtigte sich nach 3 langen Wochen ohne Lebenszeichen von ihm. Damit verflüchtigte sich auch meine bis dahin relativ gute Laune. Es folgten Wochen auf die ich nicht stolz bin. In der Arbeit meldete ich mich krank, verkroch mich in meinem Bett, dass ich nur verließ um Nachschub an Schokolade oder Zigaretten zu holen, die Katzen zu füttern (das darf man nämlich auch in so einer depressiven Phase nicht vernachlässigen) und um den DVD-Player zu bedienen. Nachdem ich dann mindestens zehnmal Bridget Jones gesehen hatte und bereits glaubte mit ihr seelenverwandt zu sein, fasste ich einen Entschluss: ich musste mein Leben komplett ändern.
Der erste Schritt dahingehend war, mein bisheriges Leben noch einmal Revue passieren zu lassen. Diese Etappe wollte ich relativ schnell wieder vom Tisch haben, um mich mit vollem Elan dem neuen, besseren Leben widmen zu können. Es stellte sich aber als gar nicht so leicht heraus mehr als ein viertel Jahrhundert meines Daseins auf dieser Erde kompakt auf ein Blatt Papier zu bringen. Ich entschied mich daher vorerst dafür die letzten 10 Jahre in Angriff zu nehmen und den Lebensabschnitt von meiner Geburt bis zum Schulabschluss außen vorzulassen. Auch wenn wohl gerade diese Jahre vom psychologischen Standpunkt gesehen durch die elterliche und gesellschaftliche Prägung interessant wären. Aber da ich über keine psychologische Ausbildung verfügte und nicht auch noch am Schluss meinen Eltern wegen zu wenig Nestwärme die Schuld an dem Dilemma geben wollte, fing ich an das letzte Jahrzehnt in Angriff zu nehmen. Die Gedankenfetzen schwirrten nur so in meinem Kopf, zwei Stunden und eine halbe Schachtel Zigaretten später hatte sich das zuvor leere Blatt gefüllt. Voller Stolz den ersten Schritt getan zu haben blickte ich auf die letzten Jahre meines Lebens und musste leider erkennen, dass es wenig gab auf das ich Stolz sein konnte. An erster Stelle fanden sich vor allem Männernamen, die mich schmerzlich an gescheiterte Beziehungen oder unbefriedigende One-Night-Stands erinnerten. Dicht gefolgt von anderen privaten Katastrophen wie die Scheidung meiner Eltern, die mich mehr in Mitleidenschaft gezogen hatte als die zwei Hauptbeteiligten. Die Rollen hatten sich auf einmal vertauscht. Plötzlich hatte ich zwei Kinder, die um meine Aufmerksamkeit buhlten und nebenbei um ihr „Spielzeug“ (Haus und Geld) stritten und auch nach langem Bitten meinerseits partout nicht mit dem anderen teilen wollten. Meine Freundinnen fanden sich auf Platz 3 der Liste: zwei von Ihnen hatten bereits Kinder und schwärmten von ihrem tollen Leben als Mutter und Ehefrau. Früher schwärmte ich noch mit, jetzt – stehengelassen – sah ich das schon anders und setzte diese zwei Freundinnen auf die negative Seite der Liste – sorry Mädels! Drei gute Freundinnen blieben mir noch, wobei eine davon auch gerade jemanden kennengelernt hatte und im Eifer der Gefühle bereits mit dem Gedanken spielte zu ihm und damit über 500km weit weg zu ziehen. Blieben noch zwei, Linda und Eva. Die beiden kannte ich bereits seit meiner Volksschulzeit. Wir wussten alles voneinander und das Beste: sie waren Singles. Eva wohl eher unfreiwillig. Sie war die graue Maus von uns. Sehr schüchtern, aber auf eine süße Art und Weise. Und was noch erschwerend dazukam war, dass sie einen Bauernhof geerbt hatte den sie vor 2 Jahren zu einem Reitstall umfunktionierte und deswegen eigentlich so gar keine Zeit für irgendwas hatte, schon gar nicht für Männergeschichten. Linda war da schon eine andere Kategorie. Von Beruf Kosmetikerin liebte sie vor allem zwei Dinge: ihr Aussehen und Klatsch und Tratsch. Beides brachte für mich Vor- und Nachteile. Neben ihr hatte man nur wenig Chancen einmal bei der Männerwelt als Erster am Siegertreppchen zu landen, da sie einfach gesagt eine Erscheinung war die man(n) nicht übersehen konnte. Groß, schlank, eine wallende, dunkle Mähne, braune Augen und ein Olivteint. Ich übertrieb leider nicht. Wenn sie nicht seit der Volksschulzeit meine Freundin wäre, wo ich diese Entwicklung zum Modelaussehen noch nicht ahnen konnte, wäre sie heute eine der Frauen die ich hassen würde. Das hatte ich ihr natürlich noch nicht gesagt. Andererseits konnte sie aufgrund ihrer Fertigkeiten auch mir zu einem besseren Aussehen verhelfen. Dass hatte mich schon des öfteren vor einem totalen Make-up-Desaster bewahrt. Ich war nämlich eher der Typ der gerade mal wusste wie man mit Wimperntusche umzugehen hat. Dinge wie Eyeliner, Lidschatten oder Rouge fühlten sich in meinen ungeschulten Händen eher an wie gefährliche Waffen, die im schlimmsten Fall zu einer Verschlechterung des Gesamterscheinungsbildes führten. Das mit dem Klatsch und Tratsch war vor allem für Frauen ganz besonders toll. Linda wusste über jedes Gerücht und jeden Skandal im Umkreis von geschätzten 50 km als erster Bescheid. Deswegen war mein wöchentlicher Besuch bei ihr nicht nur aus hauttechnischen Gründen Pflicht, sondern auch um die neuesten Geschichten zu erfahren. Linda redete gerne viel und hatte zu jedem Thema auch etwas aus ihrem Leben zu erzählen. Das konnte bisweilen etwas anstrengend sein, da sie oftmals nicht mehr wusste wem sie ihre Story bereits erzählt hatte und man deswegen sehr oft in den Genuss kam, die Geschichten mehrmals zu hören. Sie ließ sich dann auch nicht durch den dezenten Einwand „Linda, das hast du mir bereits erzählt“ unterbrechen. Wenn sie einmal in ihrem Redefluss war, dann ließ sie sich nur noch schwer bis gar nicht stoppen. Als Zuhörerin war sie deswegen nicht sehr geeignet, da wandte ich mich dann doch lieber an Eva. Aber zurück zu meiner Liste. Auf Platz 4 schaffte es dann bereits mein Job. Der spielt im Leben ja auch eine große Rolle, da man fast den ganzen Tag dort verbringt. Leider zählte ich nicht zu der Gruppe Menschen, die ihre Arbeit liebten und mit Begeisterung jeden Morgen aufstanden um pünktlich in die Firma zu kommen. Ich würde jetzt nicht soweit gehen und sagen, dass ich meinen Job hasste, aber ich konnte mir sehr gut sinnvollere Tätigkeiten für mich und meine Zeit vorstellen. Zur Aufklärung, ich arbeitete in einer Bank als Kundenbetreuerin und wenn man nicht gerade das Vermögen von Brad Pitt und Angelina Jolie managte war das bisweilen nicht sehr aufregend. Ich weiß gar nicht mehr genau wie es mich nach der Schule eigentlich in diese Branche verschlagen hatte. Ich wollte von zuhause ausziehen, weit weg von meinen Eltern um endlich Tun und Lassen zu können was ich wollte - ziemlich traurig eigentlich dass ich jetzt wieder zuhause gelandet war -, wollte mein eigenes Geld verdienen um es dann mit vollen Händen ausgeben zu können. Da hatte ich wohl das Erstbeste mit der Aussicht auf einen relativ guten Verdienst angenommen. Es war eben nicht gerade der kreativste Beruf und ich war auch absolut nicht gut im verkaufen, ich konnte ja nicht mal mich selbst gut verkaufen. Und alten Damen mit Gehstock und künstlichem Gebiss noch eine geförderte Lebenspension anzudrehen, war dann auch nicht so meine Art. Aber hier war ich nun mal und ich versuchte das Beste daraus zu machen. Und ohne Frage gab es in diesem Beruf auch Highlights wie zum Beispiel den Monatsersten an dem uns die Pensionisten um halb 8 schon fast die Türe eintraten aus Angst wir könnten ihre Pension vielleicht einen Tag zulange unverzinst am Konto lassen. Dass sie zuhause unterm Kopfkissen noch weniger brachte, diese Aufklärungsversuche hatte ich bereits vor Jahren aufgegeben. Auf den fünften Platz hatte ich alles andere verbannt. Wie zum Beispiel Feiern, übermäßigen Alkohol- und Zigarettenkonsum sowie alle Arten von Diäten. Auf diesen Punkt wollte ich gar nicht näher eingehen. Was hatte ich also in meinem Leben erreicht. Diese Fragestellung deprimierte mich wieder ein wenig. Andere Leute waren in meinem Alter bereits Millionäre oder Friedensnobelpreisträger oder wenigstens zufrieden mit sich. Bevor ich mich wieder in mein Bett verkroch aufgrund der ernüchternden Erkenntnis, dass ich bis jetzt absolut lautlos gelebt hatte, beschloss ich mich vorerst wieder unter Leute zu wagen. Danach konnte ich immer noch mein Leben in neue Bahnen lenken.

Meine Mutter hatte mir bereits zig verzweifelte Nachrichten auf der Mobilbox hinterlassen und war dann sogar bereit gewesen meinen Vater zu kontaktieren nur um zu erfahren was mit mir los war. Der hatte sie sicher bereits über mein Liebesaus in Kenntnis gesetzt und sie wahrscheinlich gleich um ein geteiltes Sorgerecht für mich gebeten. Denn so ganz glücklich war er nicht mit meinem spontanen Einzug. Na was glaubte er denn wie mir das gefiel. Besonders meine beiden Katzen waren ihm ein Dorn im Auge. Diese Haare überall, wie wenn er keine verlieren würde. Besonders in den letzten Jahren konnte er sicher mit meinen beiden Lieblingen punkto Haarausfall konkurrieren. Nachdem ich ihn mit dem Vorschlag die Katzen nur in meinem Zimmer und in den Garten zulassen etwas beruhigt hatte, wollte er seine Tierliebe beweisen und versuchte Freundschaft zu schließen. Das stellte sich dann in etwa so dar, dass er immer verwechselte dass meine Katzen keine Hunde waren und es keinerlei Erfolg brachte ihnen Stöckchen zuzuwerfen. Außerdem fiel es ihm ziemlich schwer sich die Namen der beiden zu merken. Obwohl ich ihm bereits Hilfestellung geleistet hatte indem ich ihm sagte dass der Rotgemusterte Boris hieße aufgrund des berühmten Tennisspielers den er sicherlich kenne und der komplett schwarze dann nur noch Basti sein konnte. Aber ich glaube es interessierte ihn einfach nicht. Meine neuen Stiefgeschwister (5 und 2 Jahre alt) waren, nachdem sie sich wegen meines Einzuges wieder ein Zimmer teilen mussten, auch nicht gerade gut auf mich zu sprechen. Das merkte man unter anderem daran, dass sie sich immer noch weigerten sich meinen Namen zu merken. Jeden Tag fragten sie mich wie ich den eigentlich hieße. Am Anfang übte ich mich noch in Geduld, mittlerweile nannte ich ihnen jeden Morgen einen anderen Namen. Das führte wiederum zu der angenehmen Situation, dass sie mich weitgehend ignorierten.

Meine Mutter hob nach dem ersten Klingeln sofort mit den Worten „Was zur Hölle ist denn passiert Emma?“ ab. Damit hatte ich die Bestätigung dafür dass sie bereits Bescheid wusste. Nachdem ich ihr die Vorkommnisse geschildert hatte, fragte sie doch wirklich ob ich da mit dem sofortigen Auszug nicht überreagiert hätte. Ihr ward doch so ein schönes Paar und Sven war ja auch soooo nett und überhaupt könnte so ein Ausrutscher doch jedem Mal passieren, meinte sie. Was ich mich mit einem Wutausbruch quittierte. Mit diesen hatte ich meine Eltern bereits seit meiner Kindheit an den Rand eines Nervenzusammenbruches gebracht. Denn ein Klaps auf den Hintern war im Hause Klein immer tabu gewesen und viele Möglichkeiten blieben dann nicht mehr ein eineinhalbjähriges Kind zum Schweigen zu bringen. „Was? Kannst du dir eigentlich vorstellen, wie es ist seinen Verlobten in den unmöglichsten Stellungen mit einer blonden Schlampe im Bett zu erwischen. Dieses Bild kriegst du nicht mehr so schnell aus deinem Kopf.“ Als ich das aussprach, kamen die Szenen auch sofort wieder vor meinem geistigen Auge zum Vorschein, es schauderte mich. „Ja, du hast ja recht. Alle Männer sind Schweine“. Uuuh, jetzt war Vorsicht geboten, denn das Gespräch ging gerade wieder gefährlich in Richtung warum mein Vater sie verlassen hatte. Und in meiner Situation war ich nicht dazu bereit auch noch das Elend eines anderen mitzutragen, nichtmal das meiner Mutter. Deswegen versuchte ich sie zu beschwichtigen, sagte ihr dass es mir eigentlich gut ginge und dieser Schritt zur Trennung sowieso schon überfällig war. Damit war sie zwar nicht gänzlich zufrieden, da sie eigentlich auf eine baldige Hochzeit gehofft hatte, aber ich konnte sie fürs Erste gnädig stimmen. Meine Mutter wollte nämlich nach ihrer Scheidung wenigstens durch mich ihren Traum vom Happy End leben. Und da ich ja jetzt bereits im richtigen Alter für Hochzeit und Kinder war – was ich übrigens von ihr seit mindestens fünf Jahren hörte und dadurch eigentlich schon kurz vor der Ablauffrist stand - , war sie natürlich darüber enttäuscht, dass ich bei dem Projekt Familie wieder bei Null beginnen musste. Meine Mutter war die Beste und ich liebte sie, aber dass ich noch immer nicht „Ja, ich will“ gesagt hatte, bereitete ihr doch schlaflose Nächte.

Nach diesem Gespräch brauchte ich nun endgültig positiven Zuspruch und verabredete mich deswegen mit meinen beiden Single-Freundinnen. Denn was ich jetzt absolut nicht brauchte, waren gutgemeinte Ratschläge von glücklich verheirateten Frauen. Zu meiner Überraschung konnte sich sogar Eva den Nachmittag freischaufeln und ich freute mich auf die ersten netten Stunden nach zwei Wochen Dauerdepression. Wir trafen uns in einem Cafe in der Innenstadt und ich wurde bereits von den beiden und einer Flasche Prosecco erwartet. Das steigerte meine Stimmung noch um einige Stufen. Nach ein paar Gläsern meines Lieblingsgetränkes und etwas Small Talk stellte Linda dann die Frage der Fragen: „Warum können Männer eigentlich nicht treu sein?“ Eigentlich drückte sie es etwas anders aus, aber man muss ja nicht alles wortwörtlich wiedergeben. Das löste eine heftige Debatte aus und wir hatten unseren Spaß daran jeden Buchstaben im Alphabet mit einem Grund für das Fremdgehen der Männer zu belegen: von A wie Abwechslung, über B dem Beweis der Männlichkeit, J wie Jagdtrieb, W wie Weitergabe ihrer Gene zur Erhaltung ihrer Art bis zu Z wie Zeitvertreib. Am Schluss waren wir bereits so weit, dass wir schon fast nachvollziehen konnten warum es ihnen so schwerfiel monogam zu leben. Die zweite Flasche Prosecco war schnell geleert und als wir die Dritte orderten hatten wir beschlossen dass es ohne Männer eigentlich viel schöner war. „Warum können Männer eigentlich nie das Geschirr gleich in den dafür vorgesehenen Geschirrspüler räumen, sondern stellen es oben drauf“, warf Linda in den Raum. „Wahrscheinlich genau aus dem gleichen Grund warum sie ihre dreckige Unterwäsche dort liegen lassen wo sie sie ausziehen“, entgegnete Eva. „Alles Gründe für ein Singledasein und das Beste ist, nie wieder Vortäuschen von Kopfschmerzen, Orgasmen oder Interesse am Fußball“, setzte ich noch einen drauf. Das hatte wohl auch der ältere Mann am Nachbartisch gehört und quittierte meine Meldung mit einem argwöhnischen Kopfschütteln. „Und, wie zahlen wir es diesem Dreckskerl Sven heim“, fragte Linda. Rache war eigentlich so gar nicht meine Art, aber da der Prosecco bereits seine Wirkung getan hatte und mir ein angenehmes Prickeln im Kopf bereitete, gefiel mir diese Idee dann doch ganz gut. Linda meinte ich sollte mit allen seinen besten Freunden schlafen. Darüber hätte sich Sven bestimmt geärgert, doch die Umsetzung dieses Planes erschien mir doch etwas schwierig. Ich konnte ja schwer alle seine Kumpels anrufen um sie um ein „Rachesexdate“ mit mir zu bitten. Aber wir hatten ja noch andere gute Einfälle. Am besten gefiel mir die Idee, seine Arbeitsstelle als Angestellte des Ambulatoriums für Geschlechtskrankheiten zu kontaktieren um seinen Vorgesetzten darüber in Kenntnis zu setzen, dass Hr. Steinegger (der Nachname meines Ex) an einer schweren Form der Genitalherpes litt und deswegen die nächsten zwei Wochen keinesfalls arbeiten dürfte. Ein Foto von Svens Gesicht in jenem Augenblick wenn ihm sein Chef darauf ansprach, wäre mir locker einige hundert Euro wert gewesen. Es wurde spät und weit nach Mitternacht fiel ich erschöpft, aber zufrieden in mein Bett.


Als am nächsten Morgen der Wecker klingelte, war ich irritiert. Dieses Geräusch hatte ich längere Zeit nicht mehr gehört und mein Kopf dankte es mir, noch verstimmt von dem übermäßigen Alkoholkonsum des gestrigen Abends, mit heftigem Brummen. Kurz kam mir der Gedanke einfach liegenzubleiben, doch irgendwann sollte ich mich doch einmal wieder in meiner Arbeit blicken lassen. Also schleppte ich mich verschlafen Richtung Badezimmer. Dort angekommen war es mal wieder besetzt. Zum schreien. Ich wäre dringend für die Einführung einer Sanitäreinrichtungsbenutzungsliste an die sich dann jeder strikt zu halten hatte. Da es diese aber leider noch nicht gab, beschloss ich, mir erstmal einen Kaffee zu gönnen. In der Küche war ich auch nicht ungestört, mein Vater saß bereits mit seiner Zeitung am Frühstückstisch. Ich hoffte, dass er mich noch nicht entdeckt hatte und wollte wieder in mein Zimmer flüchten. Ich gehörte zu den Menschen, die am Morgen, besonders vor ihrer ersten Ration Koffein, ihre Ruhe wollten. Ich hatte keine Lust auf Small talk und schon gar keine Lust hatte ich auf gutgelaunte Menschen am Morgen. Und gerade zu dieser Sorte gehörte mein Vater. „Guten Morgeeehhhnnn“, schrie er und ich sah die Chancen meiner Flucht schwinden, „ wagst du dich wieder unter Leute?“. Ich nickte kurz um ihm zu signalisieren, dass ich mich absolut nicht in Redestimmung befand. „Na, du siehst aber nicht so toll aus“. Danke, jetzt war ich endgültig entnervt und das bereits um kurz nach halb sieben morgens, ein neuer Rekord. Ich brauchte erstmal eine Zigarette, wenn schon aus dem Kaffee nichts wurde. Danach wollte ich mich schnellstens Richtung Arbeit machen, denn der Tag konnte nur noch besser werden sobald ich aus diesem Haus war. Weit gefehlt….

Als ich an meinem Schreibtisch angekommen war und den Computer hochgefahren hatte, durchstöberte ich gleich mal meine Mails. Vielleicht hatte sich Sven ja nicht getraut persönlich bei mir um Entschuldigung zu bitten und mich deswegen schriftlich um Verzeihung angefleht. Nachdem ich den Eingang dreimal durchforstet hatte, konnte ich leider immer noch keine Mail von ihm entdecken. Schwein, dachte ich leise. Dafür wurden mir in meiner Abwesenheit jede Menge Fun- und Spammails zugestellt. Ich fragte mich wie Leute wie John-theBig@sexworld.com an meine Mailadresse kamen um mir Versprechungen von einem größeren Penis und mehr Potenz zu machen. Warum schickten die das eigentlich auch Frauen, vielleicht damit sie ihren Männern die Tabletten heimlich in den Kaffee gaben. Eine Mail eines Kunden dem zum dritten Mal die Bankomatkarte eingezogen wurde weil er sich den verdammten Code nicht merken konnte und ein Mail unserer Wertpapierabteilung, fand ich auch noch. Ein neues Produkt war auf dem Markt „Soft Equity Winner 3“. Ich hatte schon von 1 und 2 nichts mitbekommen, also ab in den Papierkorb damit. Als ich gerade dabei war den Löschen-Button zu drücken, sah ich meinen Chef auf mich zueilen. Kurz wurde er bei meiner Kollegin langsamer um ihr zuzulächeln und sie lächelte siegessicher zurück. Sie war zurzeit die Nr. 1 im Stall und das nur weil sie einmal das Glück hatte, dass sich so ein neureicher Schnösel in unsere Bankstelle verirrt hatte und sich eine Wertanlage bei uns einreden lies. Jetzt war sie ernsthaft der Meinung dass sie bald in der Chefetage sitzen würde. Vielleicht sollte ich ihr sagen dass man als Frau in dieser Bank jegliche Aufstiege nur über die „Sexleiter“, wie ich sie gerne nannte, schaffte. Aber da sie sich in letzter Zeit wie die Diva der Bank verhielt, verknief ich mir das dann doch lieber. Mein Chef hatte sich mittlerweile vor mir platziert und bat mich auf ein kurzes, persönliches Gespräch in sein Büro. Ich nickte und folgte ihm in den ersten Stock. Die erste Frage betraf meine Gesundheit, ob es mir denn schon besser gehe, ich wäre ja doch 2 Wochen krank gewesen. Ich versuchte einen mitleiderregenden Blick aufzusetzen und versicherte ihm dass ich mich wieder auf dem Weg der Besserung befand. Ich hoffte dass er mich jetzt nicht fragen würde woran ich litt, da ich selbst keine Ahnung hatte. Es hat schon Vorteile wenn man eine Bekannte hat, die Arzthelferin ist und einen jederzeit bereitwillig krank schreibt. Mein Chef beließ es Gott sei Dank dabei, doch das Gespräch wurde trotzdem nicht angenehmer für mich. „Fr. Klein, ich habe mir diese Woche ihre Zielerreichung angesehen und muss sagen, dass sie leider weit hinter ihren Kollegen liegen“. Hallo, geht’s noch. Die eine Kollegin hatte Glück und der andere war ein Schleimer. Das sagte ich natürlich nicht laut und darum kam er erst richtig in Fahrt. Hätte ich doch heute Morgen zu dem Rock gegriffen, wäre diese Besprechung längst beendet und alle Beteiligten glücklich. So musste ich nun die Predigt meines Chefs über mich ergehen lassen und irgendwelche Argumente für die schlechten Verkaufszahlen erfinden. Nach einer geschlagenen halben Stunde hatte ich es endlich überstanden und wurde mit der Bitte doch ab sofort mindestens 130 Prozent für die Firma zu geben entlassen. Ja genau, wenn ich dann auch 130 Prozent meines jetzigen Gehaltes überwiesen bekomme, gerne.

Der restliche Arbeitstag verlief ereignislos. Am Heimweg kam ich bei meinem Frisör vorbei und entschloss mich spontan haartechnisch etwas an mir verändern zu lassen. Zu einem neuen Leben brauchte man schließlich auch eine neue Frisur. Als ich die Tür zum Salon öffnete und Philipp (mein Frisör, männlich aber nicht schwul) mich erblickte, schwelgte sein Gesichtsausdruck zwischen freudig überrascht und gar nicht begeistert. Dazu muss man wissen, dass ich und meine Haare mit Frisören auf Kriegsfuss stehen und ich mich deswegen nur selten bei einem blicken lasse. Meist bekommt man einfach nicht das Ergebnis dass man sich wünscht. Ich erinnere mich noch immer schmerzlich an eine verpatzte Dauerwelle nach der ich drei Wochen aussah, als hätte man in einer aufwendigen Operation Schamhaare auf meinen Kopf verpflanzt. Jetzt hätte ich gerne einen Bob, sowie in Victoria Beckham trägt. Schade nur, dass meine Haare sich einfach nicht bändigen lassen und ich für diesen Look wohl jeden Tag eine Stunde früher aufstehen müsste. Aber seien wir ehrlich, jede Frau hätte gerne genau die Haare die sie von Natur aus nicht hat. Haben wir glattes, wollen wir lockiges. Haben wir eine Naturwelle, gäben wir alles für glatte Haare. Ich war da keine Ausnahme. Philipp hatte mich mittlerweile auf einem Sessel platziert und musterte meinen Kopf. Worte wie splissig, glanzlos und absolut langweilig fielen. Wo er recht hatte, hatte er recht. Wirklich viel Zeit zum Pflegen meiner derzeit überschulterlangen Haare nahm ich mir nicht. Nach langer Diskussion was meinem Gesicht stehen würde und nachdem sich Philipp schon fast gewünscht hätte, ich wäre nie durch diese Tür gekommen, konnten wir uns doch noch einigen. Wir entschieden uns für eine schokobraune Tönung, die perfekt mit meinen dunklen Augen harmonierte und einen zurzeit angesagten geraden Pony. Als ich gerade in Vorfreude auf mein neues Ich bei einer Kopfmassage entspannte, riss mich der 10-Dezibel laute, Nerven-auf-die-Probe-stellende Klingelton meines Handys aus meinen Tagträumen. Ich musste endlich den Rufton ändern, die Zeit von Dirty-Dancing’s „Time of my life“ war definitiv vorbei. Es war Linda. Wir hatten uns doch gestern erst gesehen, was wollte sie denn. „Ich hab’s getan“, schrie sie aufgekratzt in meine Ohrmuschel nachdem ich gerade abgehoben hatte, „ ich hab Sven’s Chef angerufen so wie wir es gestern besprochen hatten. Da hättest du dabei sein müssen, er hat es mir wirklich abgekauft. Hat sogar gefragt, ob es eine Ansteckungsgefahr gebe. Am liebsten hätte ich losgebrüllt vor Lachen, aber ich hab es bis zum Ende durchgezogen. “ Ach du Schande, daran hatte ich nicht mehr gedacht und vor allem hatte ich nicht geglaubt, dass Linda diese aus einer Proseccolaune entstandenen Pläne als mein persönlicher Racheengel ausführen würde. Aber so war sie, kämpfte für mich wie eine Löwin. Deswegen konnte ich ihr auch schlecht böse sein und versuchte mein aufkommendes Unbehagen durch ein herzhaftes Lachen zu überspielen. Aber warum hatte ich eigentlich ein schlechtes Gewissen, er hatte es verdient. Jawohl, VERDIENT.

Meine neue Frisur gefiel mir super, obwohl ich mir noch nicht sicher war ob das mit dem Föhnen und Stylen wirklich nur eine Sache von fünf Minuten werden würde, wie mir Philipp versprochen hatte. Egal, ich fand ich sah gut aus und das alleine zählte im Augenblick. Beim Verlassen des Salons fiel mein Blick auf den Zeitungsständer des angrenzenden Kiosk. Und was ich da auf dem Cover der neuen Cosmopolitan las, musste einfach ein Wink des Himmels sein. „Mut zur Veränderung – ihr Start ins neue Leben“ – perfekt, eine helfende Anleitung konnte bei so einem Großprojekt nicht schaden.

Zuhause angekommen sicherte ich mir gleich das Badezimmer. Die nächsten Stunden wollte ich mich mit meiner Zeitschrift in einem wohlig warmen Schaumbad verbringen. Entspannt begann ich zu lesen. Nicole Richie war magersüchtig, Paris Hilton hatte ein neues Pornovideo auf den Markt gebracht und Britney Spears war jetzt wieder mit ihrem Ex zusammen. Der ganz normale VIP-Wahnsinn eben. Wirklich interessant wurde es erst auf Seite 13 für mich, in 6 Kapiteln wurden Tipps zur positiven Veränderung gegeben.

Kapitel 1. „..lassen Sie alte, schlechte Gewohnheiten hinter sich..“: Tja, da fielen mir spontan gleich mal hunderte Dinge ein, zum Beispiel das Rauchen, Alkohol, Nägelbeißen oder der Hang zu jeglichen Speisen mit erhöhtem Cholesteringehalt. Auf all das konnte ich nicht auf einmal verzichten. Also am besten erstmal Kompromisse finden. Eine gesündere Lebensweise würde mir sicher nicht schaden. Soll ja auch gut für Haut und Haare sein, Schokoladenpickel ade! Das erste Problem stellte sich: Diäten hatte ich bereits alle durch, Erfahrungswerte waren eher durchschnittlich bis schlecht. Kohlsuppe konnte ich weder mehr sehen, noch riechen und schon gar nicht mehr essen. Die blähte den Bauch doch noch mehr auf und man pubste in jeder noch so unmöglichen Situation. An Obsttagen wurde man nicht satt, auch nachdem man sich 5 Kilo Äpfel, Ananas und dergleichen hineingestopft hatte und an Reistagen hatte man spätestens mittags das Gefühl die Pampe würde im Mund immer mehr. FDH (Friss die Hälfte) verstand ich nicht, aß ich bei dieser Diät dann statt einer ganzen Tafel Nussschokolade, nur eine halbe am Tag, oder wie. Auch die Zitronensaft-Kur war ein Erlebnis der schlimmen Sorte. Täglich 2 bis 3 Liter Zitronensaft und sonst nichts. Gewichtsverlust nach zwei Tagen null, Bewusstseinsverluste aufgrund Unterzuckerung fünf. Also vielen alle diese Methoden flach. Aber wie wäre es dann mit einer kompletten Ernährungsumstellung. Ist ja auch viel gesünder auf Dauer. Sprich mehr Gemüse und Obst und weniger Schokolade, Torten und Weißmehlprodukte. Klang schrecklich. Aber dafür bekam man Attraktivität, ein längeres Leben und mehr Energie. Immer alles von der positiven Seite sehen. Probieren konnte ich es ja mal. Vielleicht gewöhnte sich mein Körper an die neue Ernährung und ich hatte dann Heißhungerattacken auf Karotten und Selleriestangen und nicht mehr auf Eis und Kuchen. Das Rauchen könnte ich auch einstellen, so schwierig konnte dass ja nicht sein. Argumente dafür gab es genug, kein grausamer langsamer Tod an Lungenkrebs, Herzinfarkt oder Arterienverstopfung. Außerdem schadete Rauchen der Fruchtbarkeit und das wollte ich dann doch nicht riskieren. Auch wenn ich nie den Richtigen finden sollte, blieben ja noch andere Möglichkeiten um an ein Kind zu kommen, ich meine nicht Kidnapping sondern eher so etwas wie Samenbank. Da erfährt man wenigstens gleich auf einem A4-Zettel zusammengefasst woran man ist und muss nicht unzählige Dates hinter sich bringen bis man erkennt, dass er ein sexgeiler, beziehungsunfähiger Egomane ist. Und wenn ich mich ab sofort gesünder ernähre würde, hätte ich wahrscheinlich auch kein Problem mit der Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp.

2. „ ..entdecken Sie neue Aktivitäten für sich..“: Hier waren wohl meine Hobbys gemeint. Bis dato hatte ich davon nicht wirklich viele. Handwerklich und handarbeitstechnisch war ich ohne jegliche Begabung, deswegen schwebte mir eher eine sportliche Betätigung vor. Bis jetzt hatte ich meinen Körper weitgehend mit Sport verschont, außer einigen Reitstunden bei Eva am Hof. Doch der Anblick im Spiegel schrie förmlich nach körperlicher Ertüchtigung. Ging es um’s Gewicht war ich wohl nicht die Einzige die es mit der Wahrheit nicht so genau nahm. Meine Waage hatte mich schon lange nicht mehr gesehen, diese seelische Grausamkeit ersparte ich mir dann lieber gleich. Ich merkte sowieso daran dass ich zugenommen hatte, wenn mal wieder die Hose beim Anziehen auf dreiviertel geschaffter Länge aufgab und die letzten Meter verweigerte. Diese Endetappe war mein Po. Man schob es gerne auf zu heißes trocknen oder bügeln, aber die Wahrheit war leider, dass sich die Restaurantbesuche und Schokoattacken bemerkbar machten. Ich war jetzt nicht wirklich dick, mein Problem war eher die unvorteilhafte Verteilung der Masse. Mein Oberkörper war relativ schlank, meine Beine auch und dazwischen lag mein Po. Eine Verirrung der Natur. Außerdem krochen die unschönen Dellen – auch Cellulite genannt -, die sich bis jetzt auf meine Kehrseite beschränkten und sich dort sehr wohl fühlten, langsam auch Richtung Knie. Ich verfluche denjenigen der Orangenhaut zum Makel der weiblichen Schönheit ernannt hat und damit die gesamte Weltbevölkerung der Frauen zu so grausamen Methoden wie Schröpfmassagen, Wechselduschen und Körperwickel getrieben hat. Das konnte nur ein Mann gewesen sein, sollte ich einmal im Internet googeln und ihm einen netten Brief zukommen lassen. Vor einer Woche hatte ich in der Post einen Flyer für einen Pilateskurs entdeckt, hoffentlich hatte ihn noch niemand im Altpapier entsorgt. Aber mein Vater neigte sowieso dazu Zeitungen und Prospekte der vergangenen Monate im ganzen Haus verteilt zu stapeln, da er sie noch lesen wollte, irgendwann. Pilates soll ja angeblich den ganzen Körper straffen und da ich bereits mit Fledermausarmen (kurze Erklärung: wenn sie z.B. winken und die Innenseite ihrer Oberarme dabei spannungslos vor und zurück wabbelt, dann dürfen sie sich ebenfalls zum Kreis der Fledermausarmträger zählen) und Zitteroberschenkel zu kämpfen hatte, erhoffte ich mir dadurch baldige Besserung der Problemstellen. Ich spürte schon richtig die Motivation in mir aufsteigen, am liebsten wollte ich sofort loslegen. Aber die Badewanne war noch warm und laut Cosmopolitan gab es auch noch drei Punkte zum kompletten Lebenswandel zu durchlaufen….

3. „..räumliche Veränderung..“: Tja, das war ja wohl ein eigenes Thema. Das ich mich schleunigst räumlich verändern musste, damit ich nicht durchdrehte, war mir durchaus klar. Aber wohin? Meine Mutter würde mich zwar aufnehmen, aber sie hatte ziemlich wenig Platz und mit ihr jede Nacht gemeinsam im Bett zu verbringen stellte ich mir weniger romantisch vor. Besonders da sie schnarchte und das laut und mit Leidenschaft. Dass so eine zarte Person wie sie überhaupt zu solchen Geräuschen fähig war, wunderte mich immer wieder. Eva hatte mir zwar einen Platz angeboten, doch sie litt an einer Katzenallergie und Linda war mir auf Dauer doch zu anstrengend. Also blieben nur noch eigene vier Wände. Dazu fehlte mir aber das nötige Kapital. Das war für die letzte All-Inclusive-2 Wochen-Traumreise nach Sardinien (aber, die war das Geld auch wirklich wert) und die Neueinrichtung von Sven’s Wohnung draufgegangen. Und nach der Aktion von Linda konnte ich die Möbel wohl schwer dort abholen. Aber ich hatte ja noch einen Schlüssel und somit die Möglichkeit die Einrichtung heimlich abzutransportieren. War das schon Einbruch? Eigentlich egal, denn was machte ich mit Möbeln ohne passender Wohnung dazu. Ich könnte meinen Vater anpumpen, aber da standen die Chancen genauso gut wie dass ich jemals die Frau von George Clooney werden würde. Ich und mein Sparschwein standen also ziemlich alleine da. Mein Vater hatte zwar Geld – trotz Scheidung – aber meine Eltern hatten schon immer etwas geschwächelt was finanzielle Unterstützung betraf. Als andere beim Schulabschluss ein neues Auto bekamen,bekam ich das 16 Jahre alte Auto meines Opas – ohne Servolenkung. Als meine Freunde von zuhause auszogen, bekamen sie Möbel oder ein kleines Startkapital. Ich bekam eine Topfpflanze, die einen Monat später das Zeitliche segnete. Die Lage ging also derzeit Richtung komplett ausweglos. Ich musste mich mit dem Gedanken anfreunden, doch noch länger Untermieter meines Vaters und seiner neuen Familie zu bleiben.

4. „ ..helfen Sie anderen..“: Bei diesem Punkt hatte ich ein gutes Gefühl. Ich war sowieso ein sehr sozialer Mensch, dem die Probleme anderer nahegingen und die mitfühlen konnte. Diese eigentlich guten Charaktereigenschaften, hatten in den letzten Jahren jedoch abartige Züge angenommen. Je älter ich wurde umso näher war ich am Wasser gebaut. Bei nur die Liebe zählt mit Kai Pflaume brach ich in Tränen aus wenn sich Menschen nach Jahren wieder fanden oder ihre Liebe im Fernsehen kundtaten. Tierdokumentation und die Nachrichten waren ebenfalls tabu und Liebesfilme und Romanzen vermied ich seit Jahren. Zusammengefasst lösten ihn mir jegliche emotionale Regungen, egal ob Freude, Ärger, Mitleid oder Traurigkeit einen Wassersturz aus. So war ich eben und dazu stand ich auch. Ich stand zu meinen Gefühlen, auch wenn mich manche – eigentlich nur Männer, die sowieso nichts davon verstanden - bereits als Heulsuse bezeichneten. Früher wollte ich mal einen Sozialberuf ausüben, entschied mich dann ja aber doch für den viel aufregenderen Bankjob (Vorsicht, mein Sarkasmus kommt durch), also warum nicht wenigstens jetzt meinen Traum verwirklichen – zum Beispiel als freiwilliger Helfer. Das Rote Kreuz vielleicht, aber da wäre die Gefahr groß mit Blut zumindest in Augenkontakt treten zu müssen und ich würde sofort kollabieren. Das waren nicht besonders gute Voraussetzungen. Schon früher im Biologieunterricht wurde mir schlecht wenn wir das Innere des Menschen erkundeten. Ich hatte schon oft versucht mir einzureden, dass Blut das natürlichste der Welt war und gar nicht schlimm. Es half alles nichts, sobald nur jemand von irgendwelchen Schnitt- oder Platzwunden erzählte, hatte ich mit Bewusstseinsaussetzern zu kämpfen. Tiere lagen mir sowieso mehr, ich könnte mich beim WWF engagieren. Schließlich spendete ich bereits seit Jahren für die Rettung des Regenwaldes. Da war der Schritt zum Anketten an einem Baum um ihn vor dem grausamen Ende als Druckerpapier zu retten auch nicht mehr weit.

5. „ ..lernen Sie neue Leute kennen, vielleicht ist ja ihr Traummann dabei..“: Mein Traummann…..das ich nicht lache. Den suchte ich bereits seit meiner Schulzeit, als es mein sehnlichster Wunsch war einmal die Hauptrolle in einer der Schulaufführungen zu bekommen um endlich von meinem Prinzen Stefan Lengbach, dem bestaussehendsten Jungen der Schule, geküsst zu werden. Doch die Prinzessin durfte immer Anna Luise spielen, was nicht minder daran lag, dass ihre Mutter einen beträchtlichen Teil der Bühnenausstattung sponserte. So küsste sie jahraus, jahrein meinen Prinzen und ich spielte die Nebenrolle. Das Leben war schon damals nicht einfach für mich in liebestechnischen Dingen. Aber ich gab die Hoffnung auf ein Happyend nicht auf, zumindest noch nicht. Denn Mutter Natur hatte Mann und Frau geschaffen damit sie gemeinsam glücklich bis an ihr Ende lebten. Einfach hatte sie uns das jedoch nicht gemacht, so unterschiedlich wie wir waren. Das machte ein Zusammenleben auf Dauer schier unmöglich. Was mich wiederum zu der Annahme brachte, dass Mutter Natur gar nicht so sehr Mutter war, sondern eher eine sich am Elend ihrer Kinder labende Furie. Sonst würde sie auch nie zulassen, dass große böse Löwen, kleine süße Gazellenbabys fraßen. So sah ich das. Aber ich kam vom Thema ab. Es fing ja bereits im Kindergarten mit der harmlosen Sandkastenfreundschaft an, ging über die Volksschulliebesbriefchenphase und Gymnasiumunterstufenliebelei bis zur ersten großen Liebe. Zumindest war das anno dazumal so. Heutzutage werden ja bereits Zwölfjährige schwanger. In diesem Alter interessierte ich mich noch für Ponys und fand Jungs generell blöde. Aber dann, in der zweiten Klasse der Handelsakademie erwischte es mich: er hieß Konrad, war zwei Klassen über mir (alleine diese Tatsache war bereits mehr als cool) und einfach nur toll. Und wie es der Zufall so wollte, war er in der gleichen Clique wie ich. Die Voraussetzungen waren eigentlich die Besten, doch ich war eben ich und das machte die Sache keineswegs einfacher. Jeden Morgen, wenn er mich vor der Schule mit seinem grandiosen Lächeln begrüßte, lief ich hochrot an und trat die Flucht Richtung Klassenzimmer an. Dieser „Fluchtreflex“ ist mir leider bis heute geblieben. Na ja, jedenfalls nahm er sich dann irgendwann ein Herz und wir kamen zusammen. Das waren die schönsten drei Wochen meines Lebens, dann bemerkten wir dass wir uns eigentlich nicht viel zu sagen hatten und die Beziehung war zu Ende. So ist das eben mit 14 Jahren. Trotzdem war er meine erste große, unvergessliche Liebe. Mich würde interessieren was er heute so macht. Wäre schon mal spannend alle seine Exfreunde wiederzusehen. Andererseits wollte ich ihnen auch nicht in meiner derzeitigen, elenden Situation vor die Augen treten. Sitzengelassen, mit Durchschnittsjob und ich sah auch schon mal besser aus. Ich könnte sie alle zu meiner Hochzeit mit meinem Traummann einladen. Ich sah es schon vor mir: ich entsteige in einem atemberaubenden Brautkleid und mit atemberaubenden Aussehen einer weißen Kutsche und sie alle würden bereuen mich verlassen zu haben. Einziger Haken an der Geschichte, ich hatte keinen Mann und wusste auch nicht wo ich so schnell einen finden könnte. Ich wusste ja nicht mal ob ich einen finden wollte, hatte ich nicht bereits genug durchgemacht? Vielleicht gab es einfach keine Männer, die einfühlsam, verständnisvoll und gutaussehend waren. Vielleicht war diese Gattung Mann schwul, bereits vergeben oder auf einer Insel versteckt. Vielleicht musste man sich als Frau einfach mit weniger zufrieden geben und akzeptieren dass Männer auf Sport, Sex, Essen und nicht auf Gespräche, gemeinsame Unternehmungen und Kuscheln standen. Ich stand ja auch teilweise auf diese Dinge, aber nicht nur und nicht tagtäglich. Als ich darüber nachdachte, hörte ich ihm Radio das Lied „Hungry Eyes“ von Dirty Dancing und wünschte mir dass alle Männer so wie Patrick Swayze in diesem Film wären. Ein Körper wie ein Gott, ein bisschen Macho, aber trotzdem verletzlich und ein begnadeter Tänzer. Warum logen uns diese Filme ständig an, da konnte man ja nur unzufrieden werden. Sogar Rocky hatte eine romantische Seite wenn er bei seiner Adrian war. Ich kam auch nach längeren Abwegen der Vor- und Nachteile eines Partners auf keine Lösung und entschloss mich dazu diese Thematik bis auf weiteres offen zu lassen. Wenn es wirklich einen Seelenverwandten für mich gab, würde er mich schon finden.

Als ich an diesem Abend im Bett lag, wusste ich nicht wie ich dieses Großprojekt angehen sollte. Alles auf einmal durchzuziehen erschien mir doch zu radikal. Das Ausziehen hatte sich sowieso von selbst erledigt und bei meinem Traummann war ich mir noch uneins. Also beschloss ich mich vorerst auf die drei anderen Punkte zu konzentrieren. Das hieß quasi ab sofort keine Fressorgien mehr, kein Faulenzen auf der Couch und jeden Tag eine gute Tat. Die Begeisterung hielt sich noch in Grenzen. Ob das wirklich zu einem besseren Leben führen würde? Wenn ich das ab morgen wirklich durchziehen wollte, sollte ich jetzt wohl noch einmal aufstehen um mich bis oben hin mit Süßigkeiten vollzustopfen und die Schachtel Zigaretten leerzurauchen. Quasi um mich gebührend von meinen geliebten Lastern zu verabschieden. Nachdem ich meinen Plan in die Tat umgesetzt hatte und mir kotzübel war, hatte ich wirklich das Gefühl nie wieder Zucker oder Nikotin zu benötigen.

...Fortsetzung folgt....